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Felsenformen aus Silikon herstellen
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Realistisch wirkende Felsen,  sind ein wichtiger Bestandteil einer gut modellierten Gebirgseisenbahnanlage.
Silikonformen von echten Felsen, helfen enorm dieser Tatsache gerecht zu werden. 
Möchte Euch hier zeigen, wie ich diese Formen herstelle. Wichtig hierfür ist ein möglichst gut strukturierter Fels oder größerer Stein. Da ich für meinen Umbau von "es bitzli Gotthard", einige Teile der einspurigen Strecke zwischen Brunnen und Flüelen nachempfinden möchte, bin ich dort, bei der Axenstrasse, auf die gewünschten Felsen gestoßen. Sofort habe ich beschlossen, bei nächsten Fotobesuch, diese Abzuformen. Natürlich kann man auch einen guten Steinbrocken in der nähe finden, sei es im Wald oder im eigenen Garten. Wichtig scheint mir noch zu erwähnen, dass nach dem entfernen der Silikonform, nichts mehr zu sehen ist, was auf die Herstellung​​​​​​​ hindeutet.
Eventuelle Tropfen oder Spritzer von Silikon und Gips, lassen sich auf dem Stein problemlos, nach der Trocknung, entfernen. Für alle die noch keine Silikonform selber hergestellt haben, empfehle ich jedoch, dies vorab, an kleineren Steinbrocken zu testen, um die Materie kennen zu lernen.


Hier eine Auflistung der Ware, die ich für die Herstellung der drei grossen Silikonformen, in meinen Kofferraum gepackt habe. 
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5kg Silikon RTV 1703 + 250g Schnellhärter RTV 1703 B2, Thixotropiermittel zu 1703 zur Eindickung des Silikons, Mischbecher 650ml, Rührhölzer, 1l Universalverdünner,  Küchenwaage, Drahtbürste, Haushaltspapierrollen, Spülmittel, 1x 110l Abfallsack, 10kg Gips, 2 Rollen Gipsbinden, Glasfasergewebe, Schere, Malerspachel, 5l Kunststoffeimer und 6x 1,5l Pet mit Wasser gefüllt. (Silikon, Mischbecher und Gipsbinden sind bei Studer Kunststoffe erhältlich alles weitere im Baumarkt)  
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Als ich mein Ziel am Urnersee erreicht habe, suche ich mir als erstes, drei gut strukturierte Flächen in der Felswand, ca. 40-50cm groß, für meine Silikonformen. Bild 1+2 Mit einer Drahtbürste entferne ich eventuelle Moos-und Schmutzpartikel und besprühe die gereinigte Felspartie mit Wasser, dem ein paar tropfen Spülmittel beigefügt wurde. Dies mindert die Haftung vom Silikon am Stein.​​​​​​
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Nun bereite ich in meinem Kofferraum, den ich als Arbeitstisch verwende, den Silikon vor.
Als erstes stelle ich einen 650ml Mischbecher auf die Küchenwaage und fülle diesen zu zweidrittel mit Silikon. 
Anschliessend füge ich dem Silikon den Schnellhärter bei. (Silikongewicht geteilt durch 100x5 ergibt die beizufügende Menge Härter) Mit einem Rührholz vermische ich behutsam die zwei Komponenten, füge noch 2-3 Tropfen des Verdickungsmittel (Thixotropiermittel) dazu und mische nochmals kräftig durch. 
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Jetzt kann der Silikon mit einem Pinsel auf die vorgesehene Felspartie zügig aufgetragen werden. Hierbei ist wichtig, dass der Silikon üppig und deckend verstrichen wird, so dass alle Erhöhungen und Vertiefungen bedeckt und ausgefüllt sind. Bild 3-7 Wenn die Menge Silikon nicht ausreicht, für die vorgesehene Fläche, mische ich einfach einen weiteren Becher an. Ich habe an dieser Stelle gleich drei Silikonformen hergestellt und knapp 5kg Silikon verbraucht. Um die Trocknung zu beschleunigen, sprühe ich mit dem Zerstäuber, Wasser auf den verarbeiteten Silikon. Also man kann diese Arbeiten auch bei leichtem Regen tätigen, aber bei schönem Wetter ist das natürlich angenehmer. Übrigens lassen sich Silikonresten an den Händen, gut mit dem Universalverdünner und Haushaltspapier entfernen.
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Während der Trocknung von ca. 1- 1 1/2Std., treffe ich Vorbereitungen für eine Stützform aus Gips. Ohne diese Stützform, wäre die Silikonform lediglich ein großer Lappen, bei dem die charakteristischen Erhöhungen und Vertiefungen des Steins, nicht wirklich gut zur Geltung kommen. ​​​​​​​
Für diese Stützform schneide ich mir vom Glasfasserband und der Gipsbinde ein paar Streifen in der Formbreite zu.
Die Menge der Streifen sollte, Aneinandergereiht, die ganze Fläche bedecken. Bild 8​​​​​​​
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​​​​​​​Ist der Silikon trocken mische ich ein einem 5l Kunststoffkessel den Gips mit Wasser an, so das dieser gut zu verspachteln ist. Nicht zu dick und nicht zu flüssig. Nun wird der Gips zügig auf den Silikon aufgetragen. Anschliessend drücke ich die zurechtgeschnittenen Glasfasserstreifen in den weichen Gips und verstreiche mit der Handfläche, den aus den Gewebegitter rausquillenden Gips, glatt. Den Kessel und die Hände, wasche ich mit dem Wasser aus der Pet-Flasche und trockne beides mit dem Haushaltspapier. Die Abfälle von Papier und Silikonformherstellung, werfe ich in den mitgebrachten 110l Abfallsack. Nach dem die Gewebegipshaut getrocknet ist, trage ich eine weitere Schicht Gips auf, in die ich nun Gipsbindenstreifen drücke und diese mit nassem Pinsel verstreiche.Anschliessen verspachtele ich die Binden gleich noch mit etwas Gips. Die fertige Gipsstützform, lasse ich ca. eine Stunde gut trocknen. Bild 9+10​​​​​​​​​​​​​​
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Vor dem lösen der Stützform, klopfe ich kräftig mit der Handfläche die ganze Form ab. Jetzt versuche ich behutsam, jedoch mit Kraft, die Gipsschale von der Silikonform zu trennen. Am besten von verschiedenen Seiten Druck durch ziehen ausüben, so löst sich diese gut. Die relativ schwere Stützform legen ich an einen sicheren Ort auf die Seite und widme mich nun dem Lösen der Silikonhaut vom Fels.

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Ich ziehe ganz behutsam von oben beginnend, die Silikonform vom Stein und lege diese korrekt in die Stützform.
Gut ersichtlich nun in der Negativform, die detailreichen, abgeformten Konturen des Gesteins mit allen Feinheiten. Bild 11-16
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In meinem Werkraum kann ich nun, aus den gefertigten Felsnegativformen, echt wirkende Felsen herstellen und davon einen ganzen Berg voll. Als erstes fülle ich einen 650ml Mischbecher zur Hälfte mit dem weißen Giesskeramikpulver und füge etwas Wasser bei. Von diesem nicht zu viel, mann kann immer wieder etwas Wasser nachfügen. Mit dem Malerspachtel vermische ich das Ganze kräftig, bis ich  eine breinähnliche Konsistenz erreiche. Bild 17+18 
Jetzt streiche ich mit dem Pinsel, die Silikonform zügig aus. Bild 19 Nach der Trocknung, wiederhole ich diesen Vorgang zwei weitere male. Hierbei darf die Konsistenz der Keramikmasse etwas flüssiger sein, da diese nun, auf der bereits ausgestrichenen Form, schneller abbindet. Die dreimal ausgestrichene Silikonform, lasse ich nun ein paar Stunden gut austrocknen. Bild 20-22
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Bevor ich den Keramikfels von der Silikonform trenne, erhält diese noch eine Schicht aus zwei Komponenten Hartschaum. Diese verleit dem Keramikfels eine bruchsichere Stabilität und es lassen sich, mit sorgfalt, kleinere Felspartien daraus sägen, ohne dass die getrocknete Keramikmasse in Teile zerbricht. Zum mischen des Hartschaums, verwende ich 2dl Trinkbecher aus Weichkunststoff, da diese beim mischen nicht brechen. Ich habe mir für diese Arbeiten, ein Sortiment von Trinkbechern von 1dl-4dl zugelegt, die mann immer gut brauchen kann. Beispielsweise um Dispersionsfarben zu mischen  oder ein Weissleingemisch für die Beschotterung der Gleise. Bild 23 Mit dem Mischverhältnis (100:130) nehme ich das beim Hartschaum nicht so genau. Ich stelle zwei Becher nebeneinander und fülle von der Komponente B einfach ein wenig mehr ein. Bild 24 Nun schütte ich den Inhalt der zwei Becher in einen 550ml Mischbecher und rühre die zwei Komponenten kräftig durch. Bild 25 Die weiteren Vorgänge müssen jetzt sehr schnell gehen, da die Startzeit ca.40 Sekunden beträgt. Ab dann beginnt die Gelierzeit und der Schaum lässt sich kaum mehr verstreichen, da er aufquillt. Bild 26+27 In diesem Stadium sollte mann den Hartschaum in ruhe Aufgehen lassen. Bild 28 Mit einem Stück Haushaltspapier, kann ich den aufgequollenen Schaum vom Pinsel entfernen und diesen in einem, mit Universalverdünner gefüllten Mischbecher, auswaschen. Bild 29+30 So kann der Pinsel einige Male hintereinander verwendet werden. Übrigens sind diese Mischbecher von Studer Kunststoffe Verdünner tauglich im Gegensatz zu den Trinkbechern aus dem Lebensmittelgeschäft.  
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Nach einer halben Stunde ist der Schaum getrocknet und ich kann den Fels mit Silikon aus der Stützform nehmen.
Nun kommt der spannende Moment. Ich ziehe die Silikonhaut vom Felsstück und sehe zum ersten mal, die Positivform von der Felspartie am Urnersee.  Freude Herrscht!  Bild 31-37
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Werde zu einem späteren Zeitpunkt, an Hand von ein paar weiteren Bildern, den Einbau der Felsstücke und deren Bemalung hier zeigen.

Wünsche gutes Gelingen beim Abformen einer guten Steinstruktur...

                                                                                                                   Heinz


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